Quito und unser Wechsel der Hemisphaere

Written by Sylwester Kras on February 17th, 2010

Quito ist die Hauptstadt von Ecuador und liegt 20 Kilometer suedlich des Aequators. Ecuador selbst ist geographisch, topographisch, klimatisch und ethnisch eines der vielfaeltigsten Laender der Erde. Neben der Amtssprache Spanisch besitzt auch Kichwa (auch Quichua) mit etwa zwei Millionen Sprechern grosse Bedeutung. Kichwa ist eine Gruppe regionaler Mundarten des Quechua, der lingua franca der Inkas, den diese nach der Eroberung der Region im 15. Jahrhundert eingefuehrt haben.

Gemessen nach dem Bruttonationaleinkommen ist Ecuador nach Bolivien das zweitaermste Land Suedamerikas. Im Jahre 2000 hat Ecuador die eigene Waehrung abgeschafft. Ohne Regulierungsmechanismen der eigenen Zentralbank operiert das Land nun mit US$.

Waehrend die Staedte wohlentwickelt – zubetoniert deuten wir als so etwas – sind, so scheinen die Lebensverhaeltnisse auf dem Land katastrophal zu sein. Zugang zum sauberem Wasser hat hier kaum jemand. Die Behausungen stehen auf hohen Holzstelzen und erinnern an verarmte Bauten in Kambodscha.

Bei Nacht ist die Weite der 2 Mio. Stadt am beeindruckendsten.

Quito bei Nacht

Quito bei Nacht

Quito bei Nacht

Quito bei Nacht

Die Altstadt von Quito ist als erste Stadt ueberhaupt 1978 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden und glaenzt mit ihrer kolonialen barocken Architektur.

Waehrend unserer Stadtbesichtigung liefen wir Gefahr ausgeraubt zu werden. Man versuchte an uns einen uralten Trick bei dem wir zuerst ohne es zu merken von hinten mit einer streng riechenden senfigen Substanz bespritzt wurden. Unsere Kleidung und vorallem mein Fotorucksack wurden gruendlich eingesaut. Nur wenige Schritte weiter stand ein serioes aussehender Herr der uns auf die Schmiere an unseren Kleidern aufmerksam machte. Selbstverstaendlich hatte er zufaellig Papiertaschentuecher dabei und wollte uns, hilfsbereit wie er war, bei der Reinigung unserer Sachen helfen. Sein wahres Interesse galt natuerlich den Zeitpunkt abzuwarten an dem ich den Fotorucksack absetze und einen Augenblick nicht aufpasse… Wir schalteten sofort um was es hier ging und liessen die Kleinganoven ohne Beute zurueck.

Quito - Strassenbild

Quito - Strassenbild

Quito - Strassenbild

Quito - Strassenbild

Quito - Kathedrale

Quito - Kathedrale

Quito - Strassenbild

Quito - Strassenbild

Wir fuhren ca. 20 km nach Norden und erreichten den Aequator, der mit dem Mitad del Mundo (span.: Die Mitte der Welt) Monument markiert ist. Dieses Monument steht in einem Gebiet, in welchem der Aequator einzig auf der Welt an festen, natuerlichen Orientierungspunkten, naemlich den Gipfeln der Anden verlaeuft. Sein restlicher Verlauf geht ueber Wasser und durch sich staendig veraendernde Regenwaldgebiete.
Nach der Ueberquerung dieser geographischen Breite von Null, standen wir nun das erste mal seit Monaten wieder auf der heimischen Nordhalbkugel!

Mitad del Mundo

Mitad del Mundo

Der Balanceakt auf dem Aequator

Der Balanceakt auf dem Aequator

Strenggenommen verlauft die tatsaechliche Aequatorlinie gute 240 Meter weiter noerdlich als am Monument skizziert. Als im Jahre 1736 ohne GPS die Linie konstruiert wurde, fuehlte man sich ausserstande den Verlauf genauer zu bestimmen. Interessant ist hierbei, dass man in der Naehe der Mitad del Mundo die Ueberreste eines Bauwerks aus der Praeinkazeit fand, welches tatsaechlich den Aequator markiert und bereits vor ueber 1000 Jahren errichtet wurde. Wir hoffen, dass einst das Projekt Quitsato naehere Erkenntnisse zu diesem Fund liefern wird.

 

1 Comments so far ↓

  1. Dierk says:

    Willkommen auf der Nordhalbkugel, dann bleibt jetzt wohl nicht mehr allzuviel Zeit bis zum großen Sprung Richtung Osten? (dabei Leben wir doch angeblich im Westen?)
    Danach können wir dann ja weiterplaudern.
    Interessant, dass sich die Vorfahren der Inkas auch schon Gedanken über den Verlauf des Äquators gemacht haben. Was sich so’n Archäologe bloß immer so denkt, wenn er etwas ausgebuddelt hat.

    Gute Rückreise und viele Grüße
    Dierk

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