Medellín und die Kaffeeregion / Kolumbien

Written by Sylwester Kras on February 26th, 2010

Von dem prächtig kolonialen Cartagena fuhren wir mit dem Bus zuerst in die Großstadt Medellín um am kommenden Tag in die 6 Stunden entfernte Kaffeeregion bei Pereira zu fahren. Hier kamen wir für zwei Nächte in der sehr ansprechenden Finka Villa Santa Maria unter. Wir nutzten die Zeit um zu entspannen und die umliegenden Kaffee- und Bananenplantagen zu bestaunen.

In dieser Region wachsen in etwa 10% des weltweit produzierten Kaffees auf Höhenlagen zwischen 1.000 und 1.800 Metern. Die gesetzten Kaffeepflanzen sind nach vier Jahren ausgereift und tragen dann das erste Mal weiße Blüten. Erst nach neun Monaten verwandelt sich die Blüte in die rote und reife Frucht. Die Familien pflücken die Früchte und entfernen durch Pressen die äußere Schale und das Fruchtfleisch. In jeder Frucht finden sich zwei Kaffeebohnen die selbst weiß sind und zudem mit einem weißen schmierigen Film umgeben sind. Dieser Film wird im folgenden Fermentierungsprozess zersetzt. Im Anschluss werden die Bohnen gründlich gewaschen und in die Sonne zum trocknen aufgestellt. Die trockenen Bohnen werden nun in die klassischen 62,5 kg Säcke verpackt und an die Verkaufsstellen gebracht. Die Röstung erfolgt in der Regel erst am Bestimmungsort des Kaffees.

Kaffestrauch

Kaffestrauch

Kaffeeregion

Kaffeeregion

Finka Villa Santa Maria

Finka Villa Santa Maria

Pool an der Finka Villa Santa Maria

Pool an der Finka Villa Santa Maria

Die letzten drei Tage verbrachten wir in Medellín. Nach Bogotá ist Medellín die zweitgrößte Metropolregion in Kolumbien. Die Stadt liegt mitten im Valle de Aburrá, einem Tal des mittleren Bergzugs der Anden im nordwestlichen Kolumbien, auf einer Höhe von 1.538 m. Sie wird daher auch Capital de la Montaña, Hauptstadt der Berge, genannt. In den 80er Jahren litt das öffentliche Leben der Stadt unter der Drogenmafia des Medellín-Kartells, das eine führende Rolle im weltweiten Handel mit Kokain einnahm. Überhaupt galt die Stadt noch bis in die 90er Jahre als Drogenhauptstadt der Welt. Nach dem Tod von Pablo Escobar, dem Kopf des Medellín-Kartells, und der Erhöhung von Militär und Polizei durch den jetzigen Präsidenten Álvaro Uribe Vélez (kommende Präsidentschaftswahlen sind am 14.03.2010) verbesserte sich die Sicherheitslage in der Stadt. Das Prädikat der Drogenhauptstadt trägt die Stadt auch nicht mehr. Insgesamt wirkt die Stadt mit ihrem Siemens Skytrain einerseits sehr modern und entwickelt. Auf der anderen Seite muss man feststellen, dass geradezu fast alle Gebäude unverputzt sind. Die Stadt wirkt sehr dreckig und schlichtweg hässlich. Anders die Menschen, die sich hier sehr europäisch kleiden und den US-amerikanischen und europäischen Schönheitsidealen nacheifern. Medellín streitet mit der Großstadt Cali welche der beiden Städte denn mehr Frauen hat, die sich einer Schönheitsoperation unterzogen haben.

Medellín - Straßenbild

Medellín - Straßenbild

Medellín - Straßenbild

Medellín - Straßenbild

Medellín - Straßenbild

Medellín - Straßenbild

Medellín - Kathedrale

Medellín - Kathedrale

Medellín verfügt über drei moderne Seilbahnen, die an die Metrostationen angeschlossen sind. Eine davon wurde erst vor einigen Wochen eröffnet und führt über einige Kilometer in einen gigantischen Nationalpark. Hier wurden wir an unserem letzten Tag in Südamerika von einem kolumbianischen TV-Team über unsere Eindrücke und unsere Reise interviewed. :) Nur wenige Blöcke außerhalb des Stadtkerns sieht man das echte Leben in Medellín. Die Lebensverhältnisse unter denen die nicht zu den oberen 10.000 gehören sind von Armut geprägt.

Medellín - Blick aus der Seilbahn

Medellín - Blick aus der Seilbahn

Medellín - Stadtteil Caribe

Medellín - Stadtteil Caribe

Nach etwas suchen, habe ich dann doch noch einige interessante fotografische Perspektiven in der Stadt gefunden.

Medellín - Kulturpalast

Medellín - Kulturpalast

 
Medellín - Wolkenkratzer

Medellín - Wolkenkratzer

Medellin - Markthalle

Medellin - Markthalle

Eines Abends sollte es dann soweit sein. Nur noch eine Nacht trennte uns von dem Datum an welchem unser Heimflug gehen sollte. Das entsprechende Ticket haben wir einige Wochen vorher in Quito gekauft. Um 4:00 brachen wir zum Flughafen auf. Nach langwierigen Kontrollen am Abflugflughafen mit zweimaliger Inspektion des Handgepäcks – selbst die Objektivdeckel meiner Objektive wurden abgeschraubt und durch die Optik durchgesehen – , dem Auspacken unserer für den Flug ordentlich gepackter Reiserucksäcke, Durchleuchtungen und dreimaligem Abtasten – das letzte mal auf dem Rollfeld kurz vor Einstieg in die Maschine – , saßen wir im Flugzeug. Fliegend mit einem Stopp in Miami und einem in New York erreichten wir nach 22 Stunden den Frankfurter Flughafen. Dies war der Ort wo vor 143 Tagen alles begann…

 

3 Comments so far ↓

  1. Johanna says:

    Die Beschreibung vom Säen und Ernten der Kaffeebohnen ist sehr interessant. Wusste bis dato noch gar nicht, wie die Kaffeefrucht aussieht ;)

    Die Bilder find ich auch total toll! Darf ich fragen, mit was für einer Kamera du die geschossen hast? Kolumbien, ich komme!

  2. “Nach dem Tod von Pablo Escobar, dem Kopf des Medellín-Kartells und der Erhöhung von Militär und Polizei durch den jetzigen…” – du hast hier nen kleinen fehler :)

  3. Ingrid (finca villa maria) says:

    … hallo Ihr zwei!
    Selber gerade zurückgekehrt habe ich mal kurz in Euren blog reingschaut … Kompliment, werde mich die nächsten Tage zum Einleben und “runterkommen” mehr dahinein vertiefen und mich erfreuen.
    Liebe Grüße und einen guten Neustart!
    Ingrid

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