Ende

Written by Sylwester Kras on March 10th, 2010

Nach knappen 5 Monaten ist unsere Südamerikareise beendet. Diese Zeit erlaubte es uns einige Regionen des Kontinents sehr genau kennenzulernen andere wiederum nur oberflächlich oder gar nicht. Insgesamt besuchten wir Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay, Chile, Bolivien, Peru, Ecuador und Kolumbien – somit neun Länder des 17.8 Mio. km² großen Kontinents. Den erheblichen Teil der Strecke von etwa 17.000 km legten wir mit Bussen zurück und investierten hierfür mehrere hundert Stunden Fahrzeit. Aus Bequemlichkeit unternahmen wir in der Zeit zusätzlich drei Flüge mit einer weiteren Länge von etwa 3.000 km. Unsere gewählte Route zwang uns Landesgrenzen teilweise mehrfach zu passieren und bescherte uns in den Reisepässen jeweils 36 Grenzstempel, was einem halb gestempelten Pass entspricht. Wir bereisten zahlreiche Klimazonen und passierten verschiedene Jahreszeiten vom rauen und kalten Klima auf Feuerland und Patagonien mit Pinguinen und Seeelefanten über die kühlen Hochebenen der Anden wo wir uns auf Höhen von bis zu 5.000 Metern aufhielten, über gemäßigtes Klima welches an nie endenden Frühling erinnert, über extreme Trockenheit in der Atacamawüste, über die durch die Regenzeit geplagten Landschaften von Peru und Bolivien bis hin zu tropischem Klima in Kolumbien. So vielfältig wie das Klima und Wetter war, war auch der Inhalt unserer Rucksäcke. Diese garantierten uns in jeder Lage passende Kleidung und Ausrüstung. Sowohl für die Wanderung mit Zelt im kalten Patagonien oder die eisige Bootsfahrt am südlichsten Ende der Welt wie auch für die Tropen und den Badeurlaub an der Karibik waren wir immer bestens gerüstet.

Während der Reise versuchten wir einen Kompromiss zwischen der Anzahl besuchter Orte und dem Verweilen an einem Ort zu finden. Das Besichtigen von vielen Sehenswürdigkeiten und besonderen Orten ist ebenso interessant wie das Verweilen an einem Ort um die dortigen Menschen kennenzulernen und die sozialen Gefüge ein Stück weit zu verstehen. Wir lernten neue Orte und Einheimische kennen und versuchten ein wenig ihr Leben zu verstehen. Andere Backpacker waren oft eine unverzichtbare Informationsquelle um aktuelle Einschätzungen über die Passierbarkeit von Routen und die Sicherheitslage an bestimmten Orten zu erhalten. Faszinierend war der Austausch mit anderen Reisenden auch daher, dass man über die abenteuerlichsten Reiseprojekte gehört hat. Besonders im Gedächtnis hängen geblieben ist uns beispielsweise das deutsche Pärchen, welches wir in Argentinien getroffen haben. Die beiden befinden sich nun nach Abzug kurzer Pausen das elfte Jahr auf einer Weltreise. Von einem besonders ehrgeizigen Projekt haben wir am Ende der Welt in Ushuaia gehört. Wir lernten zwei junge Belgier kennen, die von hieraus mit ihren Fahrrädern und Zelten innerhalb von zehn Monaten über die Anden bis nach Ecuador fahren wollten. Auch stark missglückte Projekte wurden uns vorgetragen, wie der jetzt schon einige Jahre zurückliegende Versuch mit vier Personen zu Fuß das Grenzgebiet zwischen Panama und Kolumbien zu passieren. Alle vier wurden von der hier aktiven Farc Guerilla gefangen und sechs Wochen durch den Dschungel geschleppt. In einer spektakulären hubschraubergestützten Befreiungsaktion des kolumbianischen Militärs gelang es leider nur zwei der Geiseln zu befreien. Die anderen zwei wurden durch die Guerilla hingerichtet.

Am meisten fasziniert hat uns sicherlich die Vielfalt des Kontinents und seiner Bevölkerung. Jedes Land unterscheidet sich durch seine Landschaften und Menschen sehr stark von den anderen und ist auf seine Art sehr individuell. Passiert man eine Grenze merkt man sehr schnell, dass vieles anders ist und einen wieder ganz neue Erfahrungen erwarten. Welcher Fleck uns auf der Reise am besten gefallen hat lässt sich nicht eindeutig sagen. Was man sagen kann, ist dass uns Argentinien durch das große Abwechslungsreichtum sehr beeindruckt hat. Der Norden, welcher starke Einflüsse des Nachbarlandes Bolivien hat und voller bunt gekleideter Menschen ist unterscheidet sich extrem von der fast menschenleeren Pampa in denen es mehr Rinder als Menschen gibt. Der argentinische Teil Patagoniens mit der Vielzahl von Pinguinen und Waalen bildet hierzu wieder einen extremen Gegenpol, während die Gletscherlandschaften am Nationalpark Los Glaciares, bei deren Anblick man sich in die Eiszeit zurückversetzt fühlt, der Abwechslung die Krone aufsetzt. Nicht unerwähnt darf bei dieser Aufzählung die südlichste Spitze Argentiniens sein, die als Feuerland bezeichnet wird. Fährt man hier durch, so ändert sich die Landschaft im Stundentakt. Vorbei an versteinerten Wäldern erreicht man kurz vor dem Ende der Welt eine verschneite Berglandschaft. Eine zweite Region, welche uns außerordentlich gefallen hat ist Kolumbien. Das Land zeichnet sich durch die außerordentlich freundlichen und lebensbejahenden Menschen aus. Hier findet man das, für das Südamerika in Europa bekannt ist. Die Straßen sind gefüllt mit bunt gekleideten Menschen, die in jeder Lebenslage sich ihren Lebens erfreuen und zu Salsa-Rhythmen ihr Dasein genießen.

Wie erwartet mussten wir eine große Portion Energie investieren um die angedachte Route innerhalb von 5 Monaten zu meistern. Die ersten drei Monate ließen keine Zeit für Entspannung. jeder Tag begann früh und war voll gefüllt. Abends fielen wir oft sehr müde ins Bett. Insgesamt lässt sich sagen, dass unsere Reise nicht hätte besser laufen können! Wir erreichten alle gesteckten Ziele und kamen wohl entspannt und unversehrt zurück. Jederzeit würden wir ein ähnliches Projekt in Angriff nehmen. Für uns steht fest, dass es nicht die letzte Reise dieser Art war. Vielleicht sollte die nächste jedoch etwas länger sein :-)

 

2 Comments so far ↓

  1. Magistus says:

    Na dann herzlich willkommen zurück und vielen Dank für den tollen Reisebericht.

    Ich will Bilder sehen!!!!

    CU beim nächsten Stati in DA!

    VG, Marcus

  2. Trixi says:

    > Insgesamt lässt sich sagen, dass unsere Reise nicht hätte besser laufen können!

    Das wird die DKB aber freuen zu hören *eg* Ich hab gehört Du ziehst jetzt in die verbotene Stadt? :-)

    LG aus einer sehr schönen Stadt (aber das weißt Du ja ;-)

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