Cusco und die herrlichen Ruinen von Machu Picchu

Written by Sylwester Kras on February 10th, 2010

Mit dem Bus erreichten wir Cusco, wohl die bedeutendste Stadt Perus und historisch gesehen wohlmoegleich die interessanteste Suedamerikas. Die Stadt liegt auf einer Hoehe von 3.416 m. Der Sage nach wurde die Gegend in grauer Vorzeit von den Tampus, einem Volk der Quechua-Indianer, bewohnt. Sie sollen die ersten Menschen gewesen sein – aelter seien nur die Goetter. Cusco war einst Zentrum des Inka-Imperiums, welches in etwa so maechtig wie das alte Rom war und sich bis in das heutige Ecuador im Norden und Chile im Sueden erstreckt hat.

Das heutige Stadtbild ist durch Kolonialbauten gepraegt, die auf den alten erdbebensicheren Inka-Mauern errichtet wurden. Cusco ist Ausgangspunkt fuer die Besichtigung zahlreicher Inka-Ruinen. Die spektakulaerste ist zweifelsohne das auf 2.360 Meter gelegene Machu Picchu, welches 1983 in die UNESCO Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Daneben gibt es eine Vielzahl anderer Ruinen, die wir ebenfalls 2005 besichtigt haben. Fuer den interessierten Leser seien hier aufgezaehlt: Sacsayhuamán, Tambo Machay, Puca-Pucará, Kenko, Pisac mit seinem wundervolle bunte Markt und Ollantaytambo.

Cusco bei Nacht

Cusco bei Nacht

Cusco bei Nacht

Cusco bei Nacht

Kind mit Lama

Kind mit Lama

Cusco Stadtbild

Cusco Stadtbild

der 12-eckige Stein

der 12-eckige Stein

Der 12-eckige Stein befindet sich in einem Ueberbleibsel eines alten Inka-Gebaeudes und ist ein schoener Beweis fuer die meisterhafte Bearbeitung und moertellose Zusammensetzung von Steinen durch die Inka.

Neben Machu Picchu, welches wir unbedingt ein zweites mal sehen wollten, besuchten wir auch Sacsayhuamán ein zweites mal, welches seit zwei Jahren Nachts beleuchtet ist und nun auch zu spaeter Stunde besichtigt werden kann.

Blick auf Cusco von Sacsayhuamán

Blick auf Cusco von Sacsayhuamán

Sacsayhuamán bei Nacht

Sacsayhuamán bei Nacht

Unser Transfer nach Machu Picchu erwies sich als eine wahre Katastrophe und wohlmoegelich der gefaehrlichste Abschnitt unserer gesamten Reise. Auf unserer letzten Reise 2005 nutzten wir die damals einzige Moeglichkeit und fuhren mit dem Bus von Cusco bis Ollantaytambo. Von dort stiegen wir in den Zug und fuhren bis Aguas Calientes, welches am Fusse von Machu Picchu liegt. Seit zwei Jahren haben sich findige Tourenveranstalter etwas neues ausgedacht – “Machu Picchu by car”. Hierbei handelt es sich um einen Bustransfer ueber Ollantaytambo und dann durch die im Dschungel liegende Hochebene bis Sta. Maria. Von dort faehrt man dann nur ein kurzes Stueck mit dem Zug und erreicht Aguas Calientes von der anderen Seite. Diese Alternative wird von den Tourenveranstaltern bevorzugt angeboten, da der kurze Zug deutlich guenstiger ist und somit mehr Geld in der Kasse des Veranstalters haengen bleibt.

Wir informierten uns bei zwei verschiedenen Stellen ueber den Streckenverlauf bis Sta. Maria und fanden heraus, dass es waehrend der Regenzeit zu Erdrutschen auf der Strecke kommen kann. Ein Veranstalter sagte uns, dass die Strecke in der Regenzeit viel zu gefaehrlich sei und er diese nur in der Trockenzeit anbiete. Ein anderer wiederum bestaetigte, dass es Erdrutsche geben koennte, jedoch dass die Strecke erst im Februar unpassierbar sei. Die Aussicht etwas neues kennenzulernen und einige Stunden durch den Dschungel zu fahren bewegten und dazu diese neue Alternative auszuprobieren. Zumal war es erst Ende Dezember und die Regenzeit erst am Anfang.

Im Ergebnis fuerchteten wir in der Hochebene um unser Leben. Es regnete entsetzlich und die hunderte von Metern ohne vorgebaute Leitplanken abfallenden Abgruende bewegten den Fahrer nicht die Geschwindigkeit des mit 15 Insassen besetzen Minibus an diese Verhaeltnisse anzupassen. Ueblich in diesen Laendern ist es zudem, dass die gesamte Ablage ueber dem Armaturenbrett durch einen Teppich bedeckt ist – die Einheimischen erhoffen sich dadurch den durch Sonnenlicht bedingten Alterungsprozess des Fahrzeuges zu verlangsamen. Dieser Teppich hat jedoch die Eigenheit, dass er saemtliche Belueftungsschlitze verdeckt und es bei Regen zu Beschlag auf der Scheibe kommt. Auch dies bewegte den Fahrer nicht dazu die engen Serpentinen langsamer erst hoch und dann wieder runter zu brettern. Waehrend die Insassen vor Angst begannen die Fingernaegel zu kauen oder Suessigkeiten in sich reinzustopfen oder wie ich die Seitenvorhaenge zu schliessen um das Ausmass der nur Zentimeter neben dem Bus beginnenden Abgruende nicht sehen zu muessen, intervenierte Karsten mit dem Fahrer und brachte ihn dazu zumindest den Teppich zu verruecken um Luft an die Scheibe zu lassen.

So fuhren wir einige Zeit und ahnten noch nicht, dass dies erst der harmlose Abschnitt unseres Weges sein sollte. Wir erreichten tieferes Terrain und waren nur noch 10 bis 20 km von Sta. Maria entfernt, als es nicht mehr weiter ging. Der Hang oberhalb der Strecke ist abgerutscht und blockierte die Piste. Ein Weiterkommen war nicht moeglich. Der Fahrer machte sich auf den Weg zurueck nach Cusco, waehrend wir mit Rucksaecken zu Fuss den Erdrutsch passierten und der Piste weiter folgten. Das Einzige, was uns der Fahrer mit auf den Weg gegeben hat, war die Information, dass nach 20 Minuten Fussmarsch ein anderer Bus auf uns warten wird. Doch alles kam ganz anders.

Es stellte sich heraus, dass die Piste nicht durch ein, sondern durch drei Erdrutsche versperrt war, die in beachtlichen Entfernungen zueinander lagen. Von 20 Minuten und einem Anschlussbus war nicht die Rede. Der Gewaltmarsch sollte 3,5 Stunden dauern. Die Stabilitaet der Haenge war alles andere als gesichert. Es war denkbar, dass der Berg von oben nachrutscht oder die Piste auf der wir standen ploetzlich in die Tiefe gerissen wird. Zwischen den Erdrutschen trafen wir ein deutsches Paar, welches mit ihrem in Deutschland zugelassenden Gelaendewagen inzwischen den dritten Tag festsassen. Uns sollte es weniger hart treffen. Zwei findige Taxifahrer waren mit ihren Fahrzeugen zwischen den Erdrutschen eingesperrt und machen ein riesiges Geschaeft. Zwar verloren wir Steffi und Viola aus den Augen, jedoch gelang es uns erst im Kofferraum sitzend und dann auf den Sitzen eingequetscht mit 13 Insassen in einem Toyota Corolla vom Berg bis Sta. Maria zu fluechten. Wir waren die ersten unserer Gruppe die unbeschadet Sta. Maria erreichten. Ein anderen Tourenoperator organisierte uns ein Zug-Ticket und einen Transport zum einige Kilometer entfernten Bahnhof.

Wir sassen im Zug und warteten auf Viola und Steffi. Mittlerweile war es einige Minuten nach der geplanten Abfahrtzeit und wir verloren die Hoffnung. Irgendwie bis Sta. Maria wuerden sie schon kommen und dort eine Uebernachtungsmoeglichkeit finden. Die Freunde war dann sehr gross, als sie im letzten Augenblick doch noch auftauchten.

Erdrutsche auf dem Weg

Erdrutsche auf dem Weg

Bedrohlicher Hang mit Bagger

Bedrohlicher Hang mit Bagger

13 Personen in einem Corolla

13 Personen in einem Corolla

Unsere Flucht vom Berg. Karsten irgendwo im Kofferraum, Heike nicht sichtbar links im Bild.

Fuer alle von uns Stand fest, dass wir aus der Tour aussteigen und unseren Ruecktransport selbst in die Hand nehmen werden. Wir kehrten mit dem regulaeren Zug bis Ollantaytambo zurueck und organsierten dann einen Taxitransport bis Cusco.

Vier Woche spaeter hat sich die Lage in dieser Region weiter verschaerft. Spiegel-Online schreibt von tausenden Reisenden, die festsitzen. Die Bahnstrecke wurde weggespuehlt. Touristen sitzen ohne Geld und Unterkunft in Aguas Calientes und werden teilweise mit Hubschraubern rausgeflogen. Bis zum Instandsetzen der Zugstrecke ist Machu Picchu nicht erreichbar – dies kann Wochen und Monate dauern.

Aguas Calientes Bahnhof

Aguas Calientes Bahnhof

Aguas Calientes Bahnhof

Aguas Calientes Bahnhof

Die Reisestrapazen entlohnte am kommenden Morgen der Ausblick auf die im Fruehnebel liegenden Ruinen von Machu Picchu.

Machu Picchu im Nebel

Machu Picchu im Nebel

Machu Picchu im Nebel

Machu Picchu im Nebel

Am Nachmittag klarte es auf und wir bestaunten das sonnenerhellte Panorama.

Machu Picchu

Machu Picchu

Machu Picchu

Machu Picchu

Anders als 2005, kann man heute den schmalen Weg entlang der Felsmauer bis zur Inka-Bruecke laufen. Die Bohlen wurden einst weggezogen und gestatteten so unerwuenschten Gaesten keinen Zutritt.

Zugang zur Inka Brucke

Zugang zur Inka Brucke

Inka Bruecke

Inka Bruecke

Mit Karsten bestiegen wir den 2701 Meter hohen Wayna Picchu. Dieser Berg ist im Uebersichtpanorama auf der rechten Seite zu sehen. Er wird auch der “junge Berg” genannt. Teilweise sind hierbei huefthohe Steinstufen zu nehmen. Kurz vor der Spitze tauchen weitere Inka-Ruinen auf. Nach dem passieren einer Hoehle oder dem Anstieg von extrem steilen und schmalen Stufen und dem verdraengen saemtlicher Fall- oder Hoehenaengste, erreicht man die Spitze und hat einen unvergesslichen Blick auf das nun winzig erscheinende Machu Picchu. Nach dem Rueckweg waren wir dann froh wieder unten zu sein ;)

 

Blick vom Wayna Picchu auf Machu Picchu

Blick vom Wayna Picchu auf Machu Picchu

Abstieg vom Wayna Picchu (Danke an Karsten)

Abstieg vom Wayna Picchu (Danke an Karsten)

Ich auf dem Wayna Picchu (Danke an Karsten)

Ich auf dem Wayna Picchu (Danke an Karsten)

In Cusco verbrachten wir noch einige Tage und verabschiedeten Karsten, der wieder nach Deutschland flog. Steffi und Viola sind nach Lima gefahren. Wir waren nun wieder alleine unterwegs und planten unsere weitere Route. Urspruenglich wollten wir in den Norden Perus ins Amazonasbecken reisen um dort von Pucallpa ueber den Rio Ucayali einige Tage bis zum Amazonas und der Stadt Iquitos zu schippern. Von dort sollte es weiter den Amazonas flussabwaerts bis in das Grenzgebiet von Kolumbien gehen. Da wir von den Folgen der Regenzeit (Kanaleinbruch in La Paz und drei Erdrutsche auf dem Weg nach Machu Picchu) nun definitiv die Nase voll hatten, musste ein anderer Plan auf den Tisch. Das Amazonasbecken hatte aktuell definitiv zu viel Wasser und somit sehr unangenehme Abenteuer parat…

 

2 Comments so far ↓

  1. Dierk says:

    Ich habe ja schon davon gehört, dass Machu Picchu so beeindruckend ist, dass manch einer (fast) alles dafür tut, um es einmal zu sehen. Wenn ich jedoch lese, was Ihr dafür tun (bzw. erleiden) musstet, bin ich doch mal wieder froh, dass ich daheim geblieben bin und mein Bürosessel auf festem Grund steht.

    Also seht zu, dass Ihr den schlappen Rest jetzt auch noch gut übersteht und kommt gesund und frohen Mutes wieder.

    Gruß Dierk

  2. Dierk says:

    Eure Route ist ohne Zweifel die interesantere und abwechslungsreichere gewesen, aber nach Eurem letzten Abenteuer ist diese hier (http://www.merian.de/reiseziele/artikel/a-677060.html) zumindest die bequemere und gefahrlosere Alternative ;-)

    Gruß Dierk

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