La Paz / wichtigste Stadt Boliviens

Written by Sylwester Kras on January 27th, 2010
Mit dem Bus erreichten wir La Paz, waehrend Karsten mit dem Flieger nach Santa Cruz aufgebrochen ist um an einer Dschungeltour teilzunehmen.

La Paz - Umgebung

La Paz - Umgebung

La Paz - Umgebung

La Paz - Umgebung

La Paz liegt in einem Kessel auf einer Hoehe zwischen 3.100 und 4.100 Metern zusammen mit der Zwillingsstadt El Alto und ist damit der hoehste Regierungssitz der Erde. Der Flughafen befindet sich in El Alto und ist einer der hoechstgelegenen Verkehrsflughafen der Welt. Aufgrund der duennen Luft muessen Flugzeuge hier mit wesentlich hoeheren Geschwindigkeiten starten und landen.

Der suedliche Teil der Stadt liegt wesentlich tiefer als das Zentrum, ist waermer und deshalb bei der wohlhabenderen und helleren Bevoelkerungsschicht sehr beliebt. Es herrschen Vorbehalte vor der indigenen Bevoelkerung, die soweit gehen, dass diese teilweise Kneipen im suedlichen Teil der Stadt nicht betreten darf und wie wir durch Unterhaltungen herausgefunden haben, das eigene Land nicht bereist aus Angst vor Uebergriffen.

Das Stadtbild ist nicht sehr einheitlich. Waehrend im Zentrum moderne Hochhaeuser stehen, erstrecken sich an den Haengen Wellblechhuetten.
La Paz - Ausblick von El Alto

La Paz - Ausblick von El Alto

La Paz - Haeuser

La Paz - Haeuser

La Paz - Gasse

La Paz - Gasse

La Paz - von der Bruecke

La Paz - von der Bruecke

La Paz - Strassenbild

La Paz - Strassenbild

La Paz - Ueberblick

La Paz - Ueberblick

Kulinarisch kann man es in der Stadt aushalten. Man findet Baeckereien, die sehr feines Suessgebaeck zaubern. Auf dem Markt kommt man zu gutem und guenstigen Obst wie zu leckeren gegrillten Wuerstchen. In einem schweizer Lokal nahmen wir das angeblich hoehste Kaesefondue der Erde zu uns.

Man findet einen riesigen Textil- Obst- und Gemuesemarkt und nicht weit davon einen Ramsch-, Schwarz- und Diebesmarkt. Auf dem Hexenmarkt findet man allerlei unbekanntes. Das befremdlichste sind jedoch sicherlich die getrockneten Lamafoeten. Diese werden beim Hausbau in die vier Ecken des Hausen eingemauert und sollen so Glueck bringen.

Es herrscht reges Getuemmel von Marktschreiern und Leuten, die versuchen ihre Colectivos (ein lokales stets ueberfuelltes aber dafuer sehr guenstiges Sammeltaxi) zu fuellen. In etwas weniger bevoelkerten Gegenden sitzen Schlosser, Panfloetenbauer Schuhmacher und Kupferschmiede. Auch moderne Outdoorgeschaefte sind zu finden, in denen ich guten Ersatz fuer meine in Uyuni verlorene Softshelljacke fand. Allgemein ist das Strassenbild jedoch von Schuhputzern und Bettlern gepraegt, die mit Coca gefuellten Wangen die Geste zum Handausstrecken bereits in frueher Kindheit gelernt haben.

Das wohnzimmergrosse Coca-Museum ist weltweit das groesste Coca Museum. In ihm wird die Geschichte der Coca von ihren Anfaengen als Bestandteil kultischer Riten bis hin zur Verwendung in der modernen Medizin und als Rohstoff fuer Kokain erleutert. den Besuch fand ich sehr interessant.
La Paz - Lamafoeten auf dem Hexenmarkt

La Paz - Lamafoeten auf dem Hexenmarkt

La Paz - Schuhputzer

La Paz - Schuhputzer

La Paz - bettelnde Frau

La Paz - bettelnde Frau

La Paz - Menschen

La Paz - Menschen

La Paz - Leute auf der Strasse

La Paz - Leute auf der Strasse

 
Nicht besucht haben wir die Gefaengnisstadt San Pedro. Diese liegt inmitten La Paz und ist vermutlich das ungewoehnlichste Gefaengnis der Welt. Urspruenglich war es als Maennergefaengnis fuer 380 Insassen konzipiert. Heute leben hier ganze Familien mit etwa 1300 Personen darunter 200 Kindern. Das Gefaengnis steht unter eigenen Verwaltung und wird durch einen gewaehlten “Praesidenten” kontrolliert. Wachpersonal sichert nur den Zutritt zum abgesperrten Strassenblock. Es heisst, dass Verbrechen innerhalb der Gefangnisanlage sehr konsequent geahndet werden und ein Vergewaltiger am kommenden Tagen erstochen in der Gasse gefunden wird. Die Gefangengen besitzen innerhalb der Anlage eigene Unerkuenfte, Restaurant und Laeden oder sind Angestellte reicherer Gefangener. Zur Finanzierung erhalten alle Gefangen vom Staat eine Art Gehalt – hier Fuss fassen kann natuerlich nur der, der Zugriff auf andere Geldquellen hat.

Wir besuchten die 70 km entfernt gelegene praekolumbianische Kulturstaette Tiwanaku, die seit 2000 UNESCO-Weltkulturerbe und eine der bedeutendsten Ruinenstaette Boliviens ist. Hier ist die Freigabe von Touristen zum Abschuss offiziell. Als Auslaender zahlt man den voellig aberwitzigen Betrag von 80 Bolivianos (8 Euro) als Eintritt, waehrend Einheimische mit 10 Bolivianos zur Kasse gebeten werden. Waere die Anreise mit dem Colectivo nicht so anstrengend gewesen, waeren wir direkt wider zurueck gefahren. Fuer das Eintrittsgeld erhaelt man weder eine Karte der flaechenmaessig grossen Anlage, noch gibt es eine Ausschilderung auf dem Gelaende. Die Ruinen sind nicht im Ansatz freigelegt und befinden sind zu 99% unter der Erde. Das bekannte Sonnentor entpuppt sich als kaputtes Tuerchen, es herrscht Fotografierverbot und in den Toiletten steht die Seuche bis zu den Knoecheln. Insgesamt also eine wahre Lachnummer.

Nachdem Karsten von seiner Dschungeltour mit dem Flieger aus Santa Cruz kam, verbrachten wir noch einen gemeinsamen Tag in La Paz. Steffi und Viola sind bereits an den Titicaca-See aufgebrochen. Trotz unserer bereits langen Adaption an die Hoehe machte uns Treppensteigen und jegliche koerperliche Betaetigung immernoch gewisse Schwierigkeiten. Kaum ging man ein paar Stufen, setze sofort Kurzatmigkeit und ein hoher Puls ein.

Die Regenzeit hat bereits vor einigen Wochen begonnen. Als wir am letzten Abend mit dem Taxi zurueck zum Hostel fuhren, schuettete es ohne Erbarmen. Die Strassen standen unter Wasser. Die fehlende Kanalisation sorgte dafuer, dass das Wasser die steilen Strassen herbschoss und mit einer derartigen Wucht auf herumliegende Steine knallte, dass es von diesen senkrecht nach oben umgelenkt bis zu 1,50 Meter in die Luft schoss. Das Taxi bog in unserer Strasse ein. Das Wasser unterspuelte die wenigen Kanaele derartig, dass sich plotzlich vor unserem Auto die Strasse auftat. Ein Kanal ist eingestuerzt. Ohne etwas dagegen tun zu koennen fielen wir mit der Hinterachse in das sich auftuende Loch. Es ging nun weder vor noch zurueck. Bei stroemendem Regen hievten wir mit Karsten das Heck des Fahrzeuges aus dem Kanal. Erst am kommenden Tag konnten wir das Ausmass des Einbruchs betrachten. Das Kopfsteinpflaster war voellig unterspuelt. Wir hatten am Vortag offenbar viel Glueck, dass wir beim Rausheben des Autos nicht mit eingebrochen sind.
La Paz - Kanaleinbruch

La Paz - Kanaleinbruch

Wir brachen auf in Richtung peruanischer Grenze.
 

1 Comments so far ↓

  1. Dierk says:

    Hallo Ihr beiden,

    ist der Blog zu Eurem Kreditkartenabenteuer einer einstweiligen Verfügung zum Opfer gefallen, oder wollt Ihr mittlerweile selbst auch nichts mehr davon hören? Nun ja, dass in Berlin selbst außerhalb von Banken die eine Hand nicht immer weiß, was die andere tut, sind wir ja gewohnt und müssen es nicht jedesmal kommentieren.

    Im übrigen scheint Ihr Euch ja schon auf die Heimkehr vorzubereiten, wenn asphaltierte Straßen und Gemüsemärkte mit internationalem Angebot Eure Aufmerksamkeit erwecken. Und dass plötzlich mal ein riesiges Loch in einer Strasse klafft, kommt mir mittlerweile auch sehr europäisch vor, aber in Köln hat man, glaube ich, derzeit wohl anderes zu feiern.

    Aber bis zu Eurer Rückkehr wird das auch wieder überstanden sein und bis dahin wünsche ich Euch noch eine gute Zeit,

    Gruß Dierk

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